Sonia Rykiel – Aufschwung und jähes Ende einer Modemarke

Von der ersten Kollektion für Schwangere zur Queen of Knit mit französischem Chic

Geboren 1930 in Paris beginnt Sonia Rykiel , geb. Flis, ihre Karriere aus einer Notsituation heraus. Als sie Anfang der 1960er Jahre mit ihrem ersten Kind schwanger ist, kann sie keine Schwangerschaftskleidung finden, die sowohl bequem als auch chic ist. Kurzerhand entwirft sie ihre Kleidung selbst, Strickware, die angenehm weich und elastisch ist. Ihre erste Kollektion, die sie in der Boutique Laura verkauft, ist so erfolgreich, dass sie 1968 den Sprung in die Selbstständigkeit wagt und ihre erste eigene Boutique eröffnet.

1972 von der Woman‘s Daily Wear zur Queen of Knit ernannt, wächst Sonia Rykiel zu einem profitablen Unternehmen.

 

Sonia Rykiels Markenzeichen

Zu ihren Markenzeichen zählen nach außen gekehrte Nähte, bunte Streifen und ein äußerst femininer und selbstbewusster Stil. Besonders die Verwendung von Strasssteinen und viel Spitze und die Spezialisierung auf Wirkware aus Kaschmir geben ihrer Marke einen luxuriösen und gleichzeitig sehr französischen Touch.

Sie selbst wird mit ihren feuerroten, aufgebürsteten Haaren zu ihrem eigenen Markenzeichen.

Die Modedesignerin setzt sich immer für Frauenrechte ein und entwirft ihre Mode so, dass Frauen sich in ihr wohl fühlen und dennoch chic und sexy sind. Sie kommt ohne die provokanten und teils aggressiv-vulgären Stilmittel aus, mit denen ihre männlichen Kollegen meinen, weibliches Selbstbewusstsein inszenieren zu müssen.

Das Unternehmen bleibt bis zuletzt in Familienhand und wird großzügig und teamorientiert geführt.

2016 stirbt Rykiel in ihrem 86. Lebensjahr an ihrem Parkinson-Leiden. Ihr Begräbnis wird zu einem Stell-Dich-Ein der Pariser Prominenz.

Sonia Rykiel erhält als einzige französische Modeschöpferin, das ist nicht mal Christian Dior oder Yves Saint Laurent oder gar Coco Chanel gelungen, die Ehre einem Platz in Paris ihren Namen zu verleihen, der Alleé Sonia Rykiel.

Das Ende einer erfolgreichen Modemarke

Leider kommt das Ende dieser großartigen Marke schneller und jäher als von allen Beteiligten gedacht:

Mitte der 1990er Jahre zieht sich Sonia Rykiel langsam aus ihrem Unternehmen zurück und übergibt den Chefdesigner-Posten an ihre Tochter Nathalie Rykiel. Ab 2007 wechseln die ChefdesignerInnen, jedoch kann sich keiner und keine so recht etablieren. Ab 2012 wird das Unternehmen zuerst zu 80 Prozent, dann zu 100 Prozent an die chinesische Fung-Gruppe verkauft. Das Ziel international zu expandieren wird nicht erreicht, die Boutiquen der Reihe nach geschlossen, der Versuch das Unternehmen ins Internet zu verlagern scheitert.

Die Insolvenz folgt rasch, 2019 ordnet ein französisches Gericht die Liquidition der Marke Sonia Rykiel an. Leider gibt es von Seiten der Politik keine Unterstützung.

Für die ehemaligen Mitarbeiter wird Sonia Rykiel und alles wofür sie stand zum zweiten Mal beerdigt.

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